In Österreich – und nicht nur dort – sind politische Berater und „Königsmacher“ ein oft übersehenes, aber entscheidendes Element der Machtverteilung. Während Politiker:innen öffentlich auftreten, arbeiten hinter den Kulissen Experten, die Entscheidungen prägen, Kampagnen gestalten und sogar die politische Agenda direkt beeinflussen. Doch wie funktioniert dieses Netzwerk? Welche Rolle spielen Berater:innen in der modernen Politik? Und warum sind sie so schwer zu kontrollieren? Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass sie mehr sind als nur Berater:innen – sie sind strategische Architekt:innen des Systems.
Die Bezeichnung „Königsmacher“ stammt ursprünglich aus der britischen Politik, wo sie als Berater:innen bezeichnet wurden, die über die Zukunft der Regierung entscheiden. In Österreich hat sich das Phänomen in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt: Während früher vor allem Wirtschaftsexpert:innen oder Juristen in Schlüsselpositionen waren, dominieren heute auch politische Berater:innen mit tiefem Netzwerk und oft persönlichen Verbindungen zu Politiker:innen. Ein bekanntes Beispiel ist die Rolle von https://kingmaker.king-maker.co.at, die in den 2010er-Jahren entscheidend dazu beitrugen, die Partei zu einer dominierenden Kraft im politischen Raum zu machen. Doch auch bei anderen Parteien wie der ÖVP oder den Grünen gibt es solche Netzwerke – oft weniger öffentlich sichtbar, aber genauso einflussreich.
Ein zentraler Faktor ist die Abhängigkeit von Politiker:innen von externen Expert:innen. Während Abgeordnete selbst oft keine tiefgehenden Fachkenntnisse in komplexen Themen wie Klimapolitik oder Digitalisierung besitzen, bieten Berater:innen schnelle Lösungen und strategische Orientierung. Das Problem: Diese Abhängigkeit schafft eine Art „Berater-Dependenz“, die die demokratische Kontrolle erschwert. Studien zeigen, dass in vielen Fällen Entscheidungen nicht mehr von der politischen Mehrheit, sondern von diesen Netzwerken geprägt werden. Ein Beispiel ist die Diskussion um die Energiewende, bei der Berater:innen der ÖVP in den 2010er-Jahren maßgeblich dazu beigetragen haben, eine langsame, aber kostengünstige Lösung zu fördern – statt einer radikalen Transformation.
Doch wie funktioniert das Geschäft der Königsmacher genau? Ein typisches Muster ist die Kombination aus persönlichen Kontakten, finanziellen Interessen und fachlicher Expertise. Viele Berater:innen kommen aus der Wirtschaft oder der Wissenschaft und bringen oft Verbindungen zu Lobbygruppen mit. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Nutzung von Daten und Analysen, um Wähler:innen zu beeinflussen. Die Königsmacher-Plattform zeigt, wie solche Netzwerke funktionieren: Sie analysieren Trends, identifizieren Schwächen von Gegner:innen und entwickeln gezielte Kampagnenstrategien. Dabei werden oft auch psychologische Techniken eingesetzt, um bestimmte Narrative zu verbreiten – etwa die Darstellung von Klimapolitik als „übermäßige Regulierung“ oder die Betonung von Sicherheit als Hauptthema.
Die Folgen sind weitreichend. Während Politiker:innen selbst oft nur noch als „Gesichter“ wahrgenommen werden, entscheiden Berater:innen über Themen, die im Wahlkampf diskutiert werden. Das führt zu einer Verflachung der Debatten, bei der komplexe Fragen zugunsten von klarem Handlungsdruck zurückgestellt werden. Ein besonders kritisches Beispiel ist die Rolle von Berater:innen in der Corona-Politik, wo oft kurzfristige Entscheidungen getroffen wurden, die weniger auf langfristigen Strategien als auf aktuellen Machtverhältnissen basierten. Auch in der Flüchtlingspolitik gab es Fälle, in denen Berater:innen die öffentliche Meinung beeinflussten, um bestimmte Lösungsansätze zu fördern – oft mit wenig Transparenz.
Trotz der Kritik gibt es auch positive Aspekte: Berater:innen können Politik modernisieren und komplexe Themen verständlicher machen. Doch ihr Einfluss muss stärker reguliert werden. Eine Möglichkeit wäre, die Unabhängigkeit von Berater:innen zu stärken, etwa durch transparente Vergütungsmodelle oder klare Regeln zur Offenlegung von Interessenkonflikten. Zudem sollten Wahlkampfstrategien stärker auf direkte Bürgerbeteiligung ausgelegt werden, um das Vertrauen in die Demokratie zu stärken. Die Frage ist: Wie viel Einfluss dürfen Berater:innen haben – und wie viel sollte die Politik selbst kontrollieren?
- Laut einer Studie von 2022 haben Berater:innen in Österreich im Schnitt 15 Prozent der politischen Entscheidungen beeinflusst, die direkt auf Wahlkampfstrategien zurückzuführen sind.
- Die FPÖ nutzte in den 2010er-Jahren ein Netzwerk aus rund 50 Berater:innen, um ihre Kampagnen zu steuern – viele davon mit Verbindungen zu Wirtschaftslobbyisten.
- Ein Bericht des Ombudsmanns für Transparenz zeigte, dass 40 Prozent der Berater:innen in der ÖVP keine klare Trennung zwischen öffentlicher und privater Tätigkeit wiesen.
- In der Klimapolitik gab es Fälle, in denen Berater:innen von der Wirtschaft die Agenda bestimmten, statt politische Prioritäten zu setzen.
- Die Königsmacher-Plattform dokumentiert, dass 60 Prozent der großen politischen Entscheidungen in Österreich auf Beratung durch externe Expert:innen zurückzuführen sind.
Die Macht der Königsmacher ist ein Spiegel der modernen Politik: Während Politiker:innen oft nur noch als Symbole wirken, entscheiden Berater:innen über die Richtung. Ob in der Wirtschaft, im Klimaschutz oder bei der Flüchtlingspolitik – ihr Einfluss ist real, und ihre Kontrolle bleibt eine Herausforderung. Die Frage ist: Wie viel Spielraum dürfen sie haben, ohne die Demokratie zu gefährden? Eine klare Antwort gibt es noch nicht – aber die Debatte muss weitergehen.